DIB – Dienstleistungen im industriellen Bauprozess
Sind Abläufe richtig, nur weil sie seit Ewigkeiten so vollzogen werden? Oder könnten sie auch ganz anders gehandhabt werden? Und wenn ja, wie? Diese Frage stellt sich das Projekt DIB.
Der Bau von Industriegebäuden ist komplex. Viele verschiedene Kompetenzen sind an Planung und Realisierung beteiligt. Die zahlreichen Schnittstellen an den unterschiedlichen Prozessschritten führen zu einem hohen Wissensverlust. Denn die am Planungs- und Bauprozess beteiligten Unternehmen verwenden meist unterschiedliche Planungs- und Berechnungsprogramme, die in der Regel nicht miteinander kompatibel sind. Alleine das Erstellen von Werks- und Montageplänen und die teilweise nötige Neuerstellung von Plänen schlucken bis zu acht Prozent der Kosten im Bauprozess. Aber auch andere nicht-wertschöpfende Arbeiten auf der Baustelle, wie etwas die Suche und die Nachbestellung von nicht gefundenen Material, sind große Ressourcenfresser, die teilweise bis zu 30 Prozent der Montagezeiten betragen können.
Doch gleichzeitig wachsen die Anforderungen an den Bauprozess. Der Zeitraum vom Beginn der Planung bis zur Inbetriebnahme ist heute ein entscheidender Faktor im Wettbewerb und muss stetig optimiert werden. Die Bauzeiten verkürzen sich. Bauliche Vorgaben, wie die Einhaltung der sich verschärfenden Energiegesetze zur Verminderung des CO2-Ausstoßes, müssen eingehalten werden. Hinzu kommt, dass die immer kürzeren Produktlebenszyklen häufig auch Neu- und Umplanungen im Industriebau erfordern. Daher verlangen Industrieunternehmen immer mehr ganzheitliche Lösungen, die nicht nur die Optimierung von Teilaspekten vorsehen.
Deshalb entwickelt das Projekt „DIB" jetzt innovative Dienstleistungspakete. Sie sollen Dienstleister, wie z. B. Planern, Handwerkern, Baulogistiker etc. neue Geschäftsmodelle eröffnen und langfristig wettbewerbsfähiger machen. Haben diese bislang nur eine traditionelle Leistung erbracht, können unter veränderten Randbedingungen übergeordnete Leistungen, wie z. B. vorgefertigte Modelbausysteme (siehe Schiffsbau) unterschiedlicher Gewerke übernommen werden. Gleichzeitig wächst die Verantwortung der beteiligten Planungsbüros, da nach deren Plänen Fertigprozesse angestoßen werden. Die Bauherren profitieren letztlich durch einen effizienteren, schnelleren und qualitativ hochwertigeren Bauprozess.
Damit wissensintensive Dienstleistungen im Bauprozess überhaupt entwickelt werden können, muss zunächst die funktionale Struktur von Planung und Realisation neu gestaltet und eine durchgängige Verfügbarkeit von Informationen sichergestellt werden.
Das Werkzeugmaschinenlabor (WLZ) der RWTH Aachen und das Forschungsinstitut für Rationalisierung e.V. (FIR) an der RWTH Aachen entwickelt dazu mit Unterstützung des Generalplaner- und Beratungsunternehmens Carpus+Partner AG, der Imtech GmbH, einem Hersteller für technische Gebäudeausrüstung sowie der Gildemeister AG das modulare Modell eines Industriebaus, anhand dessen der Bauprozess dann neugestaltet werden kann. Steht erst einmal der neugegliederte modulare und durchgängige Bauprozess, entwickelt das Projektteam die neuen notwendigen Dienstleistungspakete.
So könnten beispielsweise vorgefertigte Produkte, mit einer Kennung versehen, über eine neu gestaltete Baulogistik genau zum richtigen Zeitpunkt zielgerichtet und just in time auf die Baustelle geliefert werden. Kein lästiges Suchen, keine Verzögerungen auf dem Bau mehr! Speziell in der technischen Gebäudeausrüstung besteht hier Bedarf zur Entwicklung modularer Lösungen, die es in der reinen Baufertigung heute schon ansatzweise gibt.
Um das Wissensmanagement in einem solchen integrativen Bauprozess zu gewährleisten, arbeitet das IT-Unternehmen Formitas an Möglichkeiten die einzelnen Planungsprogramme miteinander zu verbinden. Gleichzeitig definieren die Projektpartner ein Lastenheft für die Gestaltung eines einheitlichen Datenbusses, mit dem Unternehmen zukünftig die schnittstellenübergreifende Vernetzung von Informationen verbessern können.
Nach der Konzeption werden der optimierte Bauprozess und die Dienstleistungspakete an einem realen Bauprojekt getestet, verbessert und weiterentwickelt. Zunächst fokussiert sich DIB auf den Industriebau. Die Ergebnisse sollen künftig aber auch auf andere Branchen und andere Bauprozesse übertragen werden.
Die Projektpartner:
Carpus+Partner AG
formitas - Gesellschaft für IuK-Technologie
Forschungsinstitut für Rationalisierung der RWTH Aachen (FIR)
Gildemeister AG
Imtech GmbH & Co. KG
RWTH Aachen - Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement - Werkzeugmaschinenlabor WZL
RWTH Aachen - Lehrstuhl für Produktionssystematik - Werkzeugmaschinenlabor WZL
